Heute schreibe ich mal nicht explizit über die Liebe oder Seelenpartner, sondern über das pure, fucking Leben. Sorry, es war kein treffenderer Titel verfügbar – falls er dich schockiert, empfehle ich dir dazu ein kurzes Video von Osho 😉

Es bahnte sich in den letzten Monaten schon an. Worauf ich lange und durchaus erfolgreich hingearbeitet hatte, schien sich in kurzer Zeit wie in Luft aufzulösen. Es betraf nicht nur einen Lebensbereich, sondern gleich mehrere.

Ich will gar nicht aufzählen, was alles schief ging – aber es fing im Erdgeschoss an. Der viele Regen beglückte mich mit einigen Überschwemmungen und mit dem Wasser stieg die erste Verzweiflung.

Ich hatte das Gefühl, man wirft mir wortlos ein Tausend-Teile-Puzzle zu und erwartet, dass ich es in Höchstgeschwindigkeit zusammensetze.

So stand ich da, Probleme hatte ich zu viele, Lösungen zu wenig. Es gab Tage, an denen ich (fast) darüber lachen konnte – aber dazwischen kamen Ohnmacht, Resignation, Wut, Unverständnis und Zweifel so ziemlich jeder Art als Familienpackung geliefert.

Was zur Hölle denkt sich das Leben gerade? Ich hangelte mich von einer Frage zur nächsten, suchte nach Auswegen – und scheiterte immer wieder.

Im Internet begegneten mir wie von Zauberhand aus jeder Ecke Ratgeber aller Art, wie Frau gelassener, zufriedener, erfolgreicher und glücklicher wird. Natürlich alles mal wieder “in 3 Tagen”, was auch sonst! 😉

Manche waren alá Rosamunde Pilcher: “Sieh uns an, wie happy wir sind und wie easy alles für uns ist, wir werden bei jedem Schritt mit Rosenblättern bestreut – das kannst du auch!”; andere kamen militärischer daher: “Was du tun musssst, damit es mit … endlich funktioniert!”.

Langsam kenne ich all diese Sprüche – und sie bewirken inzwischen einen gewissen Reiz (fängt mit B an), egal in welcher Verkleidung sie daher kommen. Und doch bin ich wieder darauf reingefallen, ich dachte, ich muss doch MEHR tun, als das bisher Mögliche. Ich kann doch nicht alles den Bach (oder ins Erdgeschoss) runterlaufen lassen!

Aber eine große Veränderung passiert nicht immer in ganz kurzer Zeit – und wenn du dann auch noch ordentlich auf dem Schlauch stehst, was das Leben dir sagen will…

Ich stand auf demselbigen. Ich hab´s einfach nicht kapiert, was es bedeuten soll. Viele Menschen verhielten sich wie abgesprochen seltsam bis suspekt, überall gingen Türen zu oder gar nicht erst auf, bis ich mir vorkam, als hätte jemand einfach in allen Zimmern das Licht ausgeknippst, ohne Gute-Nacht zu sagen.

Erst langsam dämmerte es mir: ich kann nicht mehr tun, ich kann alles nur noch einer größeren Macht übergeben. Irgendeiner Instanz, die viel weitsichtiger und überblickender ist, als ich in meinem menschlichen Kämmerlein.

Natürlich war ich versucht, mich immer wieder zu erklären, mich als Opfer diverser unglücklicher Umstände zu sehen und mit dem Finger auf das Verhalten anderer zu zeigen. Aber das Leben lächelte nur milde und wartete, bis ich genug von den blauen Flecken hatte, die mir das “mit dem Kopf gegen die Wand laufen” so einbrachte.

Es ist ein komisches Gefühl, wenn du die Veranlagung oder Prägung hast, ungern etwas dem Zufall überlassen zu wollen und eine Tendenz zum Kontrolletti verspürst. Und doch ist es sehr erleichternd, wenn du es zulassen kannst:

Ich hörte langsam auf, nach Lösungen zu suchen und versuchte mich darauf zu konzentrieren, was JETZT ist. Nicht was war, nicht was sein wird, nur jetzt.

Sonne scheint? Super, raus an die frische Luft. Leere im Kopf? Gut, dann eben nur Leere fühlen. Eine kreative Idee kommt? Schreib ich auf. Trauer? Dann eben traurig sein. Ein zögernder Blick ins Bücherregal? Das spannende Buch dann doch endlich zu Ende lesen… und dazwischen vielleicht sogar erstaunt erkennen, dass das ein oder andere ja doch noch funktioniert.

Das, was ich mir schon seit langer Zeit denke (und wünsche), dass wir Frauen viel mehr SEIN als tun sollten, kam durchaus rational bei mir an, aber jetzt erst kann ich es fühlen. Es ist vom Kopf ins Herz gerutscht – das ist der Punkt, an dem es leichter wird. Puh!

In der Ent-spannung gehen nun schrittweise wieder die Lichter an…

Und die Moral von der Geschicht´?

Wenn es Zeit für Veränderung ist und/oder der Aufenthalt in einer Sackgasse zu lange zelebriert wurde, zieht unsere Seele gern alles an, was uns zum Nach- und Umdenken bewegt. Durchaus auch ziemlich (unangenehm) hartnäckig, wenn es ihr besonders wichtig ist.

Im Grunde ist es egal, an welchem Punkt dich das Leben gerade fickt – denn es denkt sich was dabei. Ich bin sicher, dass es dir in jedem Bereich gut helfen kann, ein paar Schritte zurückzugehen, tief durchzuatmen, sämtliche Kurzschluss-Reaktionen soweit wie möglich abzustellen und um Führung zu bitten.

Ich dachte lange, viel nützt auch immer viel. Pustekuchen. Manchmal hilft Nichts-tun, ein bisschen fluchen und sich helfen lassen, wenn es alleine nicht mehr weiter geht.

Solange bis sich die Situation dreht, neue Erkenntnisse und Wegweiser auftauchen und die Sonne wieder durch die Wolken bricht. Auch wenn du im größten Gewitter glaubst, sie wird sich nie wieder zeigen – sie tut es, sie kann gar nicht anders, auch wenn es ab und an länger dauert.

Lieber neben als auf dem Schlauch stehend möchte ich dir Mut machen:

Vielleicht ist das Ziel unseres Lebens gar nicht, ständig in Glück jeder Art zu baden, sondern zu erkennen, dass hell und dunkel zusammen gehören.

Im Schatten findest du heraus, welches Ticket du als nächstes buchen willst – und im Licht fährst du los! 😉

~Rebekka Gutmayer~

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